Kontakt als Lebenselixier für hochsensible Menschen

Schneckenhaus auf Geländerbrüstung

Kontakt als Lebenselixier für hochsensible Menschen

Hochsensible Menschen haben ein großes Dilemma: Einerseits möchten sie Kontakt zu anderen Menschen. Und gleichzeitig fürchten sie ihn. Kennst du auch diese große Sehnsucht danach, dich auszutauschen, so gesehen und akzeptiert zu werden wie du wirklich bist? (Auch wenn dies letztlich ein Grundbedürfnis aller Menschen ist, trifft es auf hochsensible Menschen in besonderem Maße zu. Denn wir erleben es so selten, das Gefühl, wirklich, wirklich verstanden zu werden. Die meisten HSP werden wissen, was ich meine. )

Und gleichzeitig haben HSP – besonders natürlich die introvertierten – häufig eine große Scheu davor, auf Menschen zuzugehen, in Kontakt zu treten, sich in ihrer Andersartigkeit wirklich zu zeigen und sich damit dem Risiko des Verletztwerdens auszusetzen.

Von Naturell her sind hochsensible Menschen extrem emphatisch. Sie fühlen mit, sie fühlen sich ein, sie lieben guten Austausch, Gesprächstiefe und Verbundenheit. Doch in der Art, wie sie dies lieben und bräuchten, erleben sie es selten. (Extrovertierte HSP haben es hier leichter.) Viel häufiger sind Erfahrungen, dass andere sie nicht verstehen, sie für übertrieben empfindlich in ihren Reaktionen halten und bei Gesprächen abschalten, sobald es für unsereins gerade anfängt, richtig spannend zu werden oder sobald wir eigene Bedürfnisse äußern.

Erlebnisse dieser Art führen bei sensiblen Menschen häufig zum Rückzug – innerlich, indem er sich verschließt, und häufig auch äußerlich, indem er wenig unter Menschen geht. Zurück bleibt das Gefühl, echten nährenden Kontakt nicht zu bekommen oder gar ihn nicht verdient zu haben. Manche Menschen haben noch nicht einmal eine Vorstellung davon, wie es sein könnte, wenn sie mit ihren Besonderheiten auf echte Resonanz träfen.

Alte Verletzungen wirken sich auf neue Erlebnisse aus

Der Konflikt sitzt tief. Es braucht in der Regel nicht viel, um einen hochsensiblen Menschen zum Rückzug zu bringen. Denn der Boden ist vorbereitet. Neue Beziehungen werden stets vor dem Hintergrund alter Verletzungen bewertet. Neue Verletzungen erhalten so die gefühlte Wucht alter schmerzhafter Empfindungen und führen dazu, dass sich ein derart vorbelasteter Mensch mit einem inneren „Siehste!“ in sein Schneckenhaus zurückzieht. Er geht keine neuen Bindungen ein, sucht keine Nähe, lässt niemanden an sich heran.

Für einen Menschen, der in seinem Naturell aber auf Kontakt angelegt ist, kann dies der Weg in die Depression sein.

Der Teufelskreis, der dann entsteht ist absehbar: Rückzug und Einsamkeit verstärken die Reizempfindlichkeit. Die Nerven liegen blank, was zu noch mehr Rückzug führt, da man nichts mehr vertragen kann. Es ist ein bisschen so, wie nach dem Fasten: Die ersten Bissen sind von unbeschreiblicher Intensität. Wer lange isoliert gelebt hat, wird jeden Kontakt viel intensiver erleben, als ein Mensch, der täglich das Bad in der Menge sucht und reagiert besonders empfindlich auf neue Zurückweisungen.

Heilsam ist diese Isolation nicht. Auch wenn regelmäßige Rückzugsphasen für die meisten introvertierten Menschen unverzichtbar sind, weil sie der Regeneration und Verarbeitung dienen, kann eine langfristige Isolation Depression und Krankheit als Folge haben.

Denn hochsensible Menschen sind eigentlich echte Kontaktwunder!

Wer erlebt, wie spielend leicht wir uns einfühlen und mit welcher Warmherzigkeit wir für andere da sind, der weiß, dass Hochsensible den Austausch brauchen wie die Luft zum Atmen.

Aber sie brauchen eine Art von Kontakt, die ihnen entspricht. Leichtes Amüsieren und Smalltalk ist für viele wie eine Fremdsprache. Sich einlassen und mit emotionaler Reichhaltigkeit in tiefen Austausch gehen, fällt dagegen häufig sehr leicht. Was die meisten Menschen anstrengt – z.B. ein intensives 3-stündiges Gespräch – darin läuft der HSP u.U. zur Hochform auf. Diese Kontakte nähren. Hier erhält die Seele genau das, was sie braucht: Das Gefühl, mit all der Reizempfindlichkeit und Komplexität sein zu dürfen.

Menschen, die das erleben, blühen innerhalb kürzester Zeit auf. Eine Teilnehmerin, die genau diese Erfahrungen im ThemenTreff gemacht hatte, kam nach mehrmonatiger Pause wieder in die Gruppe und sagte danach: „Ich hatte ganz vergessen, wie gut mir das tut.“

Neue Erfahrungen machen

Wenn du bis hierher gelesen hast, spricht das Thema vermutlich etwas in dir an. Vielleicht merkst du, dass du eigentlich den Wunsch nach tieferer Freundschaft oder einer engen Beziehung in dir trägst. Und vielleicht spürst du auch, dass du nicht glaubst, so etwas finden zu können.

Ich möchte dich einladen, dem Leben eine neue Chance zu geben. Schau dich in HSP-Kreisen um. Die Chance hier auf Menschen zu treffen, die dir mehr liegen als der Bevölkerungsdurchschnitt, ist sehr hoch. Und auch hier wirst du Menschen treffen, die du nicht magst.

Die Frage ist: Worauf konzentrierst du dich? Ziehst du dich mit einem verletzten „Ich hab es ja gewusst“ wieder in dein Schneckenhaus zurück oder nimmst du die Menschen wahr, die begeistert nicken, wenn du etwas sagst? Bekommst du mit, dass wir achtsam miteinander umgehen, dass wir versuchen, den anderen wirklich zu verstehen oder bleibst du stumm und in der sicheren Überzeugung, dass dir keiner zuhört?

Ja, es liegt an dir.

Daran, ob du dich traust, neue Erfahrungen zu machen. Daran, dass du den Mut aufbringst, etwas auszuprobieren. Daran, nicht sofort wieder aufzugeben. Daran, worauf du achtest: Auf das, was neu und gut ist oder das, was deinen alten Erfahrungen bestätigt.

Wie bei jedem neuen Thema braucht es etwas Mut und Geduld, bis sich eine Veränderung einstellt. Ich biete meine Austauschrunde (ThemenTreff) nun seit über 3 Jahren an. Und es hat lange gedauert, bis sich die ersten privaten Kontakte daraus ergeben haben. Vorsichtig tasten sich vor allem die Introvertierten erste einmal heran, testen, prüfen, drehen sich weg, kommen wieder und beginnen sich langsam zu öffnen. Das ist wunderschön und es steht jedem Menschen frei, sein eigenes Tempo zu finden. Als ausgeprägte Introvertierte mit ausgeprägtem Kontakthunger und jahrzehntelangen Mangelerfahrungen habe ich vollstes Verständnis dafür, wenn du momentan wie eine Schnecke unterwegs bist, die sich beim kleinsten Antippen in ihr Haus verkriecht. Ich weiß aber auch, dass die Lösung für dein Dilemma im Schneckenhaus nicht zu finden ist. Denn darin ist nur Platz für eine Person.

Und der Schlüssel für Lebendigkeit und echtes, seelisches Genährtsein liegt im Kontakt. In gutem Kontakt. Damit wird alles leichter. Wenn wir das erkennen und unsere alten Wunden heilen, bekommen wir Zugang zu unseren wirklichen Stärken.

Ich freu mich auf dich!

Hier findest du meine Angebote für alle sensiblen Menschen, die auf der Suche nach neuen Erfahrungen unter ihresgleichen sind. Und herzlich willkommen sind die Extrovertierten natürlich auch. Ich liebe es, von euch zu lernen.

Gruppenangebote

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Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

2 Kommentare
  • Gabriele Schmidt
    Antworten

    Hallo Frau Grebe
    Danke für ihren hilfreichen Artikel! Gerade an der Arbeit fühle ich mich mit den anderen Kolleginnen und Kollegen „unterernährt“ . Und ich versuche genau das : achtsam erleben ohne verletzt zu sein und zu genießen was da ist. Mal gelingt es.

    Herzlichen Gruß
    Gabriele Schmidt. Wörrstadt

    23. Februar 2017 at 22:32

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