Wie D. Trump mir etwas über Friedensstiftung beibringt

Holzbrücke

Wie D. Trump mir etwas über Friedensstiftung beibringt

Ihr Lieben,

ich habe heute einen Durchbruch erlebt. Es ist mir gelungen, meinen ganz persönlichen Friedensweg zu finden, wo vorher kein Frieden war. Daran möchte ich euch teilhaben lassen.

Seit Monaten erleben wir Spaltung und Lagerbildung: Rund um die AfD, um den Umgang mit Corona oder bei der Wahl in Amerika. Ich glaube, die Anzahl der Menschen, die wirklich Streit sucht, ist sehr gering. Aber wie gut sind wir alle darin, wirklich friedlich zu agieren, wenn jemand uns die emotionalen Knöpfe drückt? Es entbrennen wahre Glaubensschlachten (teilweise quer durch Familien) und ich stelle mir schon lange die Frage, wie Versöhnung und Verbindung eine Chance haben, wenn die Parteien so verhärtet sind. Nun, was ich ziemlich schnell gemerkt habe – über Argumente funktioniert es nicht. Dadurch vertiefen sich die Gräben nur noch mehr.

Heute hatte ich mein persönliches Erfolgserlebnis zur Friedensstiftung

In einer Gruppe in den sozialen Medien entspann sich eine Diskussion, die von einem Trump-Fan (heute, in der Wahlnacht) losgetreten wurde, indem er fragte: „Wer drückt mit die Daumen… für Trump?“

Eine mutige Frage in einem Umfeld, in dem er nicht erwarten konnte, viele Gleichgesinnte zu treffen. So lange schon hänge ich im Unverständnis fest, was einen Menschen bewegt, diesen Mann zu unterstützen. Ich wollte es echt verstehen. Die Auseinandersetzung damit habe ich heute ganz aktiv gesucht und sie hat mir wertvolle Erkenntnisse beschert. Daran möchte euch daran teilhaben lassen:

Hier unser Dialog:

R: Wer drückt mit die Daumen… für Trump?

B: Lieber R, deine Frage hat mich dazu gebracht zu überlegen, welche Werte mir wichtig sind. Ich nenne mal ein paar:

  • Menschenliebe
  • Wahrhaftigkeit
  • Das Streben nach Gerechtigkeit
  • Das Suchen nach Wahrheit
  • Sensibilität
  • Empathie
  • Differenziertheit
  • Großherzigkeit
  • Toleranz

Es sind meine Zutaten und meine Wünsche für eine Welt, in der es friedlicher zugeht. Mr. Trump bringt nichts davon mit.

Ich finde es wichtig, auch Politiker unter dem Aspekt menschlicher Werte zu betrachten. Häufig lassen wir das außer Acht.

Hast du Werte, die durch ihn vertreten werden?

 

R: Auf deine Frage: Handeln nach Ankündigungen… keine Menschenleben aufs Spiel setzen wegen unnötiger Kriege… besseres Leben für Schlechterpriveligierte…und völlige Gleichbehandlung von Mann und Frau (bevor der Strom losgeht… bezogen auf Arbeit und Politik). Bin aber nicht hier, um Trump zu verteidigen. Er wäre ein guter Präsident gewesen für die nächsten 4 Jahre. Aber mit seiner Aussage, die Wahl zu stoppen, hat er sich total ins Abseits geschossen.

 

B: Hallo R, danke für deine Antwort.

Ich versuche gerade, wirklich mit deinen Augen zu schauen. Ich vermute, es ist etwas Emotionales, eine – vielleicht nicht begründbare – Sympathie?

Wenn ich das annehme, kann ich dir das ganz friedlich lassen, denn es wird seine Gründe haben, dass du ihn magst. Über Gefühle braucht man nicht zu diskutieren, sie haben jede Berechtigung, einfach da zu sein.

Aus meiner Sicht entsteht der Streit immer dann, wenn man versucht, die eigenen Gefühle mit Fakten zu untermauern.

Oder wenn Menschen meinen, die eigenen Gefühle seien richtiger als die eines anderen.

Du findest Mr. Trump sympathisch?
OK.
Ich finde ihn überhaupt nicht sympathisch.
Auch OK.

Mit diesen beiden Befindlichkeiten kann ich sehr gut leben.

 

R: Im Kern gehört er zu den Guten… mein Gefühl

 

B: Danke, R., du bescherst mir gerade eine wichtige Erkenntnis!

Wenn du davon überzeugt bist, dass er zu den Guten gehört, muss jede Kritik dich im Kern treffen. Dann verstehe ich auch, warum solche Gespräche so leicht eskalieren.

Eigentlich haben wir das gleiche Anliegen. Wir wollen, dass das Gute mehr Raum bekommt und wächst.

Ich kann leider nichts an ihm finden, was mich annehmen ließe, dass er zu den Guten gehört. In mir berührt er alles, was ich ziemlich furchtbar finde. (Voll der Schatten.)

Aber viel wichtiger finde ich, dass wir offenbar die gleiche Motivation und Sehnsucht nach einer Veränderung hin zum Guten haben. Wir meinen nur, sie an verschiedenen Stellen zu finden.

Ich glaube, viel besser als sich zu streiten wäre es, sich auf diese gemeinsame Sehnsucht zu konzentrieren.

Und vermutlich wäre es schlau, nicht zu denken, dass das Gute von den Politikern kommt.

Was, wenn wir selbst die Quelle für das Gute sind, das wir uns wünschen? Jeden Tag.

 

R: Ach, hast du das schön geschrieben… Meine Werte: Ist es gut… ist es schön… ist es wahr… frei nach Raffael Bonell.

 

Was stand am Ende dieses Gesprächs? Verbindung.
Ich fühle mich einem Menschen verbunden, der eine komplett entgegengesetzte politische Richtung befürwortet. Und ich habe das Gefühl, dass wir in unserer Motivation ganz, ganz nah beieinander liegen.

Für mich ist das ein großer persönlicher Durchbruch. Es ist mir gelungen, mich nicht vom Reizthema aufs falsche Gleis zerren zu lassen, sondern ich konnte den Menschen hinter dem Thema mit seinen Wünschen und Bedürfnissen finden.

Darum geht es. Es geht immer um die Gefühle hinter den markigen Sprüchen, dem radikalen Verhalten oder dem lauten Geschreie. Und es geht um die eigenen verdrängten Anteile.

Ich habe mich in Folge damit auseinandergesetzt, wofür Mr. Trump für mich steht. Er verkörpert alles, was ich selber ablehne: Lautstärke, mangelnde Sensibilität, Egoismus, Egozentrik…

Es sind Verhaltensweisen, die ich selbst wenig lebe. Wie wäre es, sie wieder zu mir zurück zu holen?

Wie wäre es, wenn ich als hochsensibler Mensch

  • meine eigenen Bedürfnisse mehr in den Mittelpunkt stellen würde
  • meine Stimme lauter werden ließe für meine Sehnsucht nach einer gerechteren Welt?
  • wenn ich Klartext reden würde über unser Schulsystem, den Umgang mit Natur und Tieren und die große Sehnsucht, dass auch die introvertierten, leisen Vielfühler mit ihrem großen Emotionsreservoir endlich gehört werden?
  • wenn ich manchmal etwas weniger sensibel und differenziert wäre (freiwillig), um entschiedener handeln zu können?

Wäre ich dann wie Donald Trump? Nein, aber ich hätte mir die Fähigkeiten, die ich bei ihm als Makel ablehne, als Qualität wieder zu mir zurückgeholt und könnte sie friedensstiftend nutzen.

Es geht darum, wieder vollständig zu werden, zu verstehen, dass das, was der andere in dir antriggert, immer auch in dir selbst vorhanden ist. Ungeliebte Seiten, die du aussortiert hast. Kannst du sie aus der Mottenkiste holen, entstauben und dir wieder zugestehen?

Es geht darum, menschliche Verbundenheit zu erzeugen, wo Gräben uns zu trennen scheinen. (Übrigens erzeugen hochsensible Menschen Trennung seltener durch Aggression als vielmehr durch Rückzug. Dennoch ist es eine Trennung.)

Ich danke jedem mutigen Friedenspionier. Wir sind alle auf dem Weg.

Danke R., danke Donald für diese Lektion!

Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

1 Kommentar
  • Avatar
    Lucia
    Antworten

    Wow! Und Danke Barbara für diese Worte und dein wirkliches Interesse an den MENSCHEN hinter den Meinungen und Äußerungen etc. Danke für dein Einfühlungsvermögen und deine Fähigkeit und deinen Mut, sich mit den Gefühlen und Motivationen der Menschen, die dir begegnen, zu beschäftigen. Damit baust du bereits Brücken und lässt durch deine Arbeit so viele daran teilhaben. DANKE!

    19. Dezember 2020 at 9:08

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