Liebeserklärung an hochsensible Menschen

Begegnung zweier Hände vor Herzen

Liebeserklärung an hochsensible Menschen

Heute möchte ich eine Liebeserklärung an hochsensible Menschen schreiben. An die Menschen, die seit vielen Jahren mein Leben reicher machen, als Freunde, Klienten, Angehörige. Wenn ich auf die letzten 24 Stunden schaue, wird mir der Reichtum so richtig bewusst, den diese Menschen – wir – mitbringen.

Heute Morgen sind Udo und ich in einen Gottesdienst gegangen. Und zwar, um zu erleben, wie es ist, wenn diese spezielle hochsensible Pfarrerin, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen und sehr schätzen, Gottesdienst hält. Ich hatte die ganze Zeit schon eine freudige Vorerwartung, merkte, dass es ein wichtiges Ereignis für mich sein könnte. Und so war es. Die Präsenz, die Wahrhaftigkeit, die Leichtigkeit und der unglaubliche Gehalt ihrer Predigt waren tief berührend. Udo drückte es so aus: „Die stellt sich da hin – und schwupps ist Gott da.“

Das, was er erlebte, war etwas anderes, als das, was ich erlebte. Ich glaube, es ist immer das Zusammenspiel von dem, was beide Seiten mitbringen und zulassen können. So wie immer, wenn Menschen aufeinandertreffen. Die Pfarrerin „macht“ diese Wirkung nicht, sondern sie wirkt. Sie als reifer, bewusster, spirituell verbundener Mensch ist quasi selbst das Angebot. Und wenn wir bereit dafür sind, gehen wir mit diesen Eigenschaften in Resonanz. Jeder auf die Weise und in dem Maße, wie er oder sie es vermag.

Feine Antennen für Begegnung

Und dies ist eigentlich auch die Kernbotschaft: Es gibt viele Menschen unter den Hochsensiblen, die diese feinen Antennen für Begegnung haben. Sie sind auf der Suche nach Wahrhaftigkeit in Begegnung. Aus diesem Wunsch nach Echtheit entsteht auch oft die Verzweiflung, wenn es nicht gelingt, wenn Begegnungen die Seele nicht berühren, sich nicht authentisch anfühlen. Aber ich möchte darauf hier nicht eingehen, die verletzenden oder irritierenden Beziehungsmuster kennt jeder HSP zur Genüge. Ich erlebe immer mehr wie es ist, wenn Beziehung in Wahrhaftigkeit gelingt, weil beide Seiten die Bereitschaft dafür mitbringen. Diese Beziehungen nähren und erfüllen.

Ein weiteres Geschenk der letzten 24 Stunden waren die Frauen, die gestern beim Aufstellungstag waren. Am Anfang eines solchen Tages sind alle nervös, weil sie wissen, dass es persönlich werden wird und das, wo sie noch niemanden kennen. Bereits nach der ersten Aufstellung fließt ein Strom von Vertrauen und liebevollem Füreinander-Dasein, der jedes Mal wieder ergreifend ist. An einem solchen Tag merken wir alle, wie verbunden wir in unseren Themen sind und dass jeder einzelne sein Päckchen zu lösen hat. Und dies tun wir gemeinsam. Uns eint die Bereitschaft, uns zu zeigen und zu wachsen. Und die Bereitschaft zu ehrlichem Miteinander. Die Fassade bleibt draußen und wir zeigen uns von unseren menschlichsten Seiten. So entsteht das Gefühl von Nähe und Vertrauen.

Sehnsucht und Intuition

Diese Art des Einlassens erlebe ich in besonderem Maße bei hochsensiblen Menschen. Sie suchen – teilweise schon ihr Leben lang – nach einem Gefühl von Heilsein, Ankommen und Selbstliebe. Während ich dies schreibe, bin ich mir sicher, dass die meisten meiner Leser genau wissen, wovon ich schreibe. Wir haben diese Sehnsucht und es ist eine heilige Sehnsucht. Es ist der Ruf der Seele. Aber ihm zu lauschen und zu folgen ist keine Selbstverständlichkeit. Wie viele Menschen da draußen folgen eher der Ablenkung…

Ich liebe diese Menschen, die ihre feinen inneren Stimmen wahrnehmen. Die nicht locker lassen, weil sie insgeheim spüren, wo die Wahrheit liegt, auch wenn all die Stimmen da draußen etwas anderes sagen. Dieser leisen, weisen Intuition zu folgen braucht Mut, Ehrlichkeit und wache Sinne. Feine Sinne. Und die Bereitschaft, die laute Welt auch mal draußen zu lassen und in sich hinein zu lauschen. Das tun wir, wenn wir uns zurückziehen.

Sensible Beziehungen sind nicht immer harmonisch

Was war noch in diesen 24 Stunden? Mein Partner und ich. Zwei hochsensible Menschen, die starke Gegensätze zu vereinen suchen. Das ist keine Art von Beziehung, die von selbst läuft. Wir sind beide eine Strecke gegangen, die nicht leicht war. In diesen letzten 24 Stunden erleben wir eine vorsichtige, achtsame Bewegung aufeinander zu, nach einer Phase der Auseinandersetzung und Reifung. Es ist ein achtsames Ausbalancieren zwischen dem gefühlten Ich und dem wahrgenommenen Du. Es ist so, als hätte die Beziehungslandschaft ihr Erscheinungsbild verändert und man müsste sich in dem neuen Gelände erst seinen Weg suchen. Dies tun wir mit großer Achtsamkeit und dem beidseitigen Wunsch nach gutem Miteinander. Ich muss mich auf diesem Weg von manchem Klischee verabschieden, wie Beziehung funktionieren „sollte“ und Udo muss sich von seinem Sog lösen, in alte Gewohnheiten zurück zu fallen.

Ich liebe es, wie bewusst wir diesen Weg gehen. Wie sorgsam wir kommunizieren und offen bleiben für die Möglichkeit, dass das eigene Gefühl nicht die Wahrheit ist. Austausch in dieser Differenziertheit kenne ich nur mit hochsensiblen Menschen. Und ich liebe uns beide dafür, dass unser Wunsch nach dem heilsamen Weg miteinander stärker ist als die Versuchung, die von alten Verletzungen ausgeht.

Und was noch war: Die Sonne. Auf dem Hinweg die Sonnenstrahlen im Gesicht. Auf dem Rückweg die Wärme im Rücken. Und um mich herum fühle ich, wie die Menschen diesen Genuss teilen, wie die Sonne das Leben weckt.

Und nun sitze ich hier, bin zutiefst erfüllt von diesen reichen Geschenken der letzten 24 Stunden. Meine Welt wird deutlich schöner durch uns komplexe Vielfühler.

Dem Wesentlichen folgen

Kürzlich hatte ich zwei ebenfalls erwähnenswerte Begegnungen mit hochsensiblen Kolleginnen. Die eine kenne ich sehr gut, wie sind befreundet. Die andere kannte ich noch gar nicht. Beide Treffen waren zutiefst wahrhaftig, erfreuend, persönlich, bereichernd. Und das – im zweiten Fall – mit einem Menschen, den ich vorher nur einmal ganz kurz am Telefon gesprochen hatte. Mit dem Hinsetzen waren wir bereits bei den Themen, die uns bewegen – völlig ohne Umschweife. Diese Bereitschaft, sofort zum Wesentlichen zu kommen, ist ebenfalls ein Merkmal von hochsensiblen Menschen. Und ich liebe sie sehr.

Und ich liebe es, dass meine Tochter auf die Frage, was ihr für ihren zukünftigen Beruf denn wichtig sei, mit als erstes sagt: „Das, was ich tue muss einen Sinn haben. Es soll etwas verbessern in der Welt.“ Nicht die Sicherheit oder das Geld stehen an erster Stelle. Mit ihren 18 Jahren spürt sie bereits, worum es geht: Um Sinn. An diesen Punkt kommen viele Menschen der älteren Generationen in der Mitte ihres Lebens. Wie schön, dass es bewusste, junge Menschen gibt, die das bereits vor der Berufswahl erkennen. Welch ein Geschenk für die Welt!

Und du?

Wenn du dich von diesem Liebesbrief an uns hochsensible Menschen angesprochen fühlst, trägst du vermutlich auch diese Sehnsucht nach Verbundenheit und Wahrhaftigkeit in dir. Nimm sie wahr, nimm sie ernst. Auch wenn die die Welt da draußen manchmal noch so unwirtlich und grob erscheint. Meine Botschaft an dich ist: Du bist 50 % deiner Begegnungen. Wenn sie noch nicht zurfriedenstellend für dich sind, kann das bedeuten, dass du deine Gestaltungsmöglichkeit noch nicht ausreichend kennst. Vielleicht suchst du auch im falschen Umfeld. Wenn du auf der Suche bist nach Gemeinschaft, nach nährenden Beziehungen, nach Wahrhaftigkeit, nach liebevollem Miteinander, nach Selbsterkenntnis und Wachstum, dann sind meine/unsere Angebote ein guter Ort, deine Fühler auszustecken. Denn wir stehen als Menschen für genau diese Werte. Wir fördern sie und wir leben sie. Und sind dabei genauso Mensch wie du, mit Ecken und Kanten, mit alten Verletzungen und mit einem riesengroßen Herzen für Menschen, die das Beste in sich entdecken wollen.

Herzlich willkommen!!

Barbara

 

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Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

2 Kommentare
  • Avatar

    Liebe Barbara, der Anfang Deines Beitrags „Liebeserklärung an hochsensible Menschen“ lies mich schmunzeln, weil ich Dir erst heute mailte, dass am heutigen Dienstagabend bei mir Dein Hochsensiblen-Gesprächskreis und eine Art „moderner Bilbelkreis“ Namens ALPHA-Kurs zeitlich kollidieren. Ob durch Deinem Gesprächskreis oder die 10 Abende des ALPHA-Kurses, kann ich u.a. die folgenden Zeilen von Dir unterstreichen:

    „Ich glaube, es ist immer das Zusammenspiel von dem, was beide Seiten mitbringen und zulassen können. So wie immer, wenn Menschen aufeinandertreffen. Die Pfarrerin „macht“ diese Wirkung nicht, sondern sie wirkt. Sie als reifer, bewusster, spirituell verbundener Mensch ist quasi selbst das Angebot. Und wenn wir bereit dafür sind, gehen wir mit diesen Eigenschaften in Resonanz. Jeder auf die Weise und in dem Maße, wie er oder sie es vermag.“

    Zur Zeit merke ich besonders „Resonanz“ in meinem Leben. Sei es, dass ich selbst von anderen empfange oder andere von mir empfangen. Das, was Jeder – aus christlicher Überzeugung oder beruflicher Sinnhaftigkeit oder „geschickter Hand und Berufung“ – zu geben und nehmen vermag, macht das Miteinander-Leben so angenehm, rührend und wertvoll. Das ist teils nichts anderes als bestimmt noch vielerorts der Tauschhandel/die Nachbarschaftshilfe weltweit auf dem Lande – so, wie es schon Vorfahren pflegten.

    Viele Grüße, Cornelia

    19. Februar 2019 at 17:28

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