Introvertiert, nachdenklich, leise und erfolgreich – geht das?

Marketing-Begriffe rechtwinklig angeornet

Introvertiert, nachdenklich, leise und erfolgreich – geht das?

An einem Thema merke ich ganz besonders, wie tief der Zweifel sitzt, ob ich als hochsensibler, introvertierter Mensch mit meinen Eigenschaften wirklich so sein darf wie ich eigentlich bin: Beim Thema Marketing.

Ich muss mir als Selbständige natürlich die Frage stellen, wie ich die Menschen erreiche, die von meinem Angebot profitieren und mit denen ich arbeiten möchte. Es gibt unzählige Anleitungen, wie man seine Zielgruppe erreicht. Und natürlich schaue ich auch, was andere machen, wenn sie etwas machen. Ich erzähle heute mal ganz offen, welche Botschaften vermittelt werden und wie die auf mich wirken:

„Ich gewinne 90 % meiner Klienten über Facebook. Ohne Facebook geht bei mir gar nichts.“ Ganz ehrlich: Ich stehe mit Facebook in keiner besonders gedeihlichen Beziehung. Wir haben nach zwei mühsamen Jahren das Kriegsbeil gerade erst begraben – oder eher: verscharrt. Ganz dicht unter der Oberfläche, kann jederzeit wieder herausgeholt werden. Und ich frage mich: Geht es nicht auch ohne?

Ich fühle mich ein bisschen facebook-behindert. Immer, wenn ich nach viel try & error eine Funktion begriffen habe, wird sie garantiert direkt wieder verändert und ich fange von vorne an. Ich weiß immer gerne, was ich tue und das gelingt mir auf der Plattform einfach nicht. Dieses unkontrollierte sich-durch-die-Posts-treiben-lassen ist mir fremd. Nachdem ich von Menschen, die ich als sehr intelligent einschätze, ähnliches rückgemeldet bekommen habe, denke ich nicht mehr, dass es wirklich an mir liegt. Aber es bleibt ein unschönes Gefühl der Unzulänglichkeit.

Eine weitere Marketing-Empfehlung lautet „Online-Anzeigen“. Hab ich auch probiert. Ich habe ja zwei schöne Werke (Buch und CD), für die ich immer wieder richtig herzerwärmende Rückmeldungen bekomme. Ist doch schade, wenn die nicht etwas bekannter werden. Also Online-Anzeigen schalten. Wisst ihr wieviel Zeit ich da hinein gesteckt habe? Stunden! Schließlich habe ich sogar einen Web-Programmierer angesprochen, ob er das für mich einrichten könne. Er konnte es nicht. Das hat mich wütend und ratlos gemacht. Wie kann man es Menschen so schwer machen?! Ich bin vielleicht kein absoluter Technik-Crack, aber auch nicht völlig unbegabt… Zurück bleibt ein Gefühl von Hilflosigkeit.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit Videos aufzunehmen. Das finde ich eigentlich ganz interessant. Es gibt viele sehr hochwertige, inhaltsreiche Videos. Nach diesen habe ich einen Erkenntnisgewinn oder fühle mich besser. Aber 90 % aller Videos sind so nicht. Da geht es um Selbstdarstellung oder allein ums Verkaufen. Immer wieder sehe ich online-Videos zu dem Thema Marketing. Meistens sind Menschen zu sehen, die eimerweise gute Laune versprühen und uuuunglaublich erfolgreich sind.

Die Botschaften sind häufig nicht schlecht, und trotzdem könnte ich mittlerweile k…. wenn ich das dreißigste Video im gleichen Stil sehe. Würg. Ich will das nicht so machen. Ich ertrage es allenfalls. Und ich weiß, es muss auch anders gehen. Weil nämlich die ganzen introvertierten Hochsensiblen (wie ich) in Sachen Marketing keine Chance hätten, wenn sie es genauso machen MÜSSTEN.

Was Experten erzählen, richtet sich vorzugsweise an Extrovertierte oder Technikfreaks. Da finde ich mich nicht wieder. Wo ist der Markt für leise Menschen? Ich fange an, auch in diesem Thema dazu zu stehen, dass ich anders bin als der Mainstream es gerade für richtig erachtet. Diese ganzen Marketingstrategien lösen in mir vor allem eines aus: Das Gefühl mich verbiegen zu müssen um anzukommen. Will ich aber nicht. Muss ich auch nicht. Ich versuche es weiter auf die etwas dezentere Art – tue nur das, was sich für mich stimmig anfühlt – und hoffe, dass diejenigen, die das zu schätzen wissen, den Weg zu mir finden werden.

Ja, ich möchte mit meinem Angebot gefunden werden.

Nein, ich möchte dafür nicht laut und dominant auftreten, überall und ständig präsent sein und mich verbiegen.

Denn wenn ich das täte, würde ich akzeptieren, dass ich als introvertierter, tiefgründiger, nachdenklicher Mensch mit meinem Naturell nicht erfolgreich sein kann. Aber genau das möchte ich. Ich möchte immer authentischer werden. Immer mehr zu dem stehen, was in mir angelegt ist. Und damit möchte ich ankommen. Die Frage ist – wie geht das?

Wirst du mit dem, was du zu geben hast, wahrgenommen?

Warum ich hier so ausführlich darüber schreibe: Die meisten Hochsensiblen sind introvertiert (70 %). Aber nicht alle möchten ihr Dasein in stiller Zurückgezogenheit führen. Gerade die Nachdenklichen haben doch oft die wundervollsten Gedanken, voller Tiefe und Nachhaltigkeit. Wo bleibt das alles? In den Köpfen und Schubladen?

Mein Wunsch ist es, dass wir leisen, bedächtigen Menschen viel mehr mitspielen lernen. Dass wir uns auf unsere Art zu Wort melden und uns dennoch Gehör verschaffen. Dass wir authentisch sind, dass wir dazu stehen, dass wir introvertiert sind, bedächtiger vorgehen, gründlicher nachdenken und vielleicht deshalb langsamer wirken. Kannst du zu diesen Eigenschaften stehen? Kannst du den Wert erkennen, den diese Merkmale mitbringen? Ich mag sie. Und dennoch glaube ich manchmal nicht, dass ich damit gehört und akzeptiert werde. Genau diese Erfahrung möchte ich aber mehr und mehr machen.

Wie können wir Introvertierte uns auf die leise Art Gehör verschaffen?

Durch Präsenz, Ausdauer, Hartnäckigkeit. Und vor allem: Durch Empfehlung und Zusammenwirken. Wenn alle Introvertierten sich untereinander empfehlen würden, quasi ein stilles Intro-Netzwerk aufbauen würden, das sie trägt und unterstützt, dann gäbe das schon eine ganz schön nennenswerte Kraft. Und die Sicherheit der Gemeinschaft, dass wir so wie wir sind genau richtig sind.

Wenn dir das zusagt, vernetze dich gerne mit mir – per Newsletter (rechts eintragen) oder auf Facebook 😉 – und empfiehl mich gerne weiter. So ganz von Mensch zu Mensch.

Und natürlich bin ich an deinen Gedanken zu dem Thema interessiert!

Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

3 Kommentare
  • Geißler, Annett
    Antworten

    Ich leide an Fehlurteilen und fehlender Verantwortung der anderen, seit ich 3 Jahre alt bin. Wieso urteilen die Menschen überhaupt sofort als erste, zumeist einzige, Methode des Zusammenlebens, ohne Selbtreflekion, ohne die Kriterien zu kennen und sich darüber bewusst zu sein, dass sie gar nicht alle kennen können, und deshalb lieber sich begnügen sollten zu beobachten statt zu (ver)urteilen.

    Ich hätte auch schreiben können: ich fühle mich einsam, seitdem ich 3 Jahre alt bin und keiner hat es gemerkt, geschweige denn mir helfen wollen. Ich rette mich seitdem selbst durch permanente Analyse von Ursache und Wirkung auf allen Gebieten. Natürlich habe ich als Kind nicht gewusst, dass das nicht jeder so macht, habe die Menschen überschätzt, so dass ich deshalb zunehmend enttäuscht worden bin. Obwohl ich mittlerweile 10 Extremerfahrungen hinter mir habe, wenn ich nur die abrechenbaren zähle und die dazwischen weglasse, die tiefen Momente, die stillen Lichtblitze, die wohl nur Hochsensible wahrnehmen.

    Meine Hochsensibilität war mir sehr früh bewusst, weil ich mit offenen negativen Assoziationen konfrontiert worden bin: „Bloss gut, dass ich nicht so schwierig und empfindlich bin wie Du!“ Ich habe nie verstanden, wieso sie so stolz auf ihre Gefühllosigkeit war. Welch armes Leben ohne Sinnlichkeit, allein den Abläufen von Vorgängen gewidmet ohne persönlichen Bezug, und wenn sie einen hergestellt hat, um sich gut zu verkaufen, war es nicht ihr eigener. Passivität statt Aktivität. Meine Mutter bestand aus einer Mischung von psychpathischen und autistischen Zügen. Für meine Künstlerseele war das Gift. Dieses Gift versprühten und versprühen leider auch andere. Die Kette hört nicht auf, nur weil sie vor 3 Monaten gestorben ist, und ich endlich aufhören kann, ihr die Welt erklären zu müssen, um wenigstens eine kleine Brücke ???? bauen zu können. „Das ist mir jetzt zuviel!“ war ihr 2. Lieblingsspruch, um mich mundtot zu machen. Ja, mit meiner Hochsensibilität habe ich mich schon früh arrangiert. Mein Leidensdruck speist sich aus permanenter Ablehnung, welches mein ganzes Leben durchzieht. Trotzdem bin ich immer wieder optimistisch, weil die Kraft aus mir selber kommt. Manchmal muss ich Spannungen eben länger aushalten. Wer kann das schon. Und wenn ich meine Gefühle rauslasse, weil ich alles dadurch verarbeite und eine neue Ebene entsteht, erträgt mich keiner. Ich muss aushalten, und wer hält mich aus? Ich halte mich selber gut aus. Es hat sich jedoch nichts geändert, seit ich 3 Jahre alt bin. Ich habe seit 2001 mühsam gelernt, ohne Anerkennung zu leben. Nur ohne Körperkontakt zu leben, ist wahnsinnig schwer. Ich verstehe alles, schaffe es jedoch nicht, ausreichend offene, lernfähige Partner zu finden, mit denen ich meine Interessen, Gedanken und Gefühle teilen kann. Bei fehlendem Grundverständnis fehlt das Fundament in der Hauptsache. Sich verbiegen, ja, und wenn ich trotzdem nicht bekomme, was ich brauche? Mit punktuellen Übereinstimmungen sich begnügen, das bleibt, jedoch wer gibt mir Futter? Für mich ist vieles schon Schnee von gestern, nein, von vorgestern. Habe das meiste mit 15 erkannt, es sind nur kleine Bausteine dazugekommen, Fast alle Kindheitsängste waren begründet, denn sie sind schrecklicherweise eingetreten.

    Alltagsgeschwätz nervt mich. Es belastet die wenigen anderen, die sich mit mir unterhalten wollen und nicht verstehen, dass das einfach nichts neues ist, was sie mir da so erzählen wollen.

    Zwischen 10 und 20 habe ich viel gelesen und Filme gesehen, habe positive Handlungsmodelle gesucht, weil ich nur negative in meinem Umfeld erlebt habe, dir ich aus Selbstschutz ablehnen musste. Meine größte Angst bestand darin, trotz innerer Ablehnung kontaminiert zu werden mangels positiver Begleiter und Impulse.

    Heute lese ich kaum noch Bücher, sehe kaum noch Filme oder Theaterstücke ( ausser Fachliteratur und wissenschaftliche Dinge, dabei bin ich extrem sinnlich) mir ist fast alles zu flach. Es fehlen die Zwischentöne. Nicht mal mit professionellen kann ich mich über Ihre „Profession“, z.B den speziellen Film, unterhalten. Die Menschen begnügen sich mit Halbwahrheiten. Was nützt das Gebrüll im Theaterstück „Dogville“, wenn Monotonie erzeugt wird und Lautstärke mit Kraft verwechselt wird, wenn die „schöne“ Hauptdarstellerin so gar nicht Bedürftigkeit ausstrahlt, keine Beschützerinstinke weckt, dann… Ist das Thema verfehlt, zudem wenn plumpe Rache als Lösung herhalten muss, taugt die Geschichte auch nichts. Viele hätten Herzklopfen gehabt, war der Tenor beim anschließenden Publikumsgespräch. Tut mir leid, damit kann ich nichts anfangen, alles plump und vorhersehbar.

    Ich habe mich noch nicht auf Hochbegabung testen lassen, fühle mich erstmals verstanden von dem, was Sie auf Ihren Seiten geschrieben haben. Ob still und introvertiert 42 Jahre oder laut und extrovertiert. Ablehnung heißt meine Ernte. Ich freue mich über die kleinen seltenen Momente des humorvollen Verstehens.

    Schade, dass Sie in Köln Ihren Sitz haben. Ich wohne bei Potsdam und Berlin. Habe mir ein paar Internetseiten angeschaut und in Berlin noch nicht das Passende gefunden. Hochbegabtenseiten voller Rechtschreibfehler oder Neugier zum Selbstzweck, wenn ich das spüre, brauche ich das nicht…

    Ich habe Ihnen unbekannterweise viel geschrieben, Weil ich dadurch einen guten Dienst an meinem Umfeld leiste, indem ich es mit meinem Gequatsche verschone. Das ist doch etwas!

    19. Juni 2017 at 15:20
  • Ich glaube fest daran, dass man auch mit weniger bzw. leiseren Worten Erfolg hat.
    Mitunter dauert das tatsächlich ein wenig länger.
    Doch es ist eine Tendenz zu spüren: Hin zu mehr Tiefe, Sinn und Würde.
    Die Menschen sind auf der Suche nach Werten, Vorbildern – und sich selbst.
    Was ich mir wünsche?
    Etwas mehr Achtsamkeit, Besonnenheit – einfach mal einen Gang runterschalten.
    Und das funktioniert auch im Online-Marketing – da bin ich überzeugt!
    Viele Grüße aus Karlsruhe

    14. Januar 2018 at 21:07

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