Eine bewusste Wahl?

Eine bewusste Wahl?

Eine bewusste Wahl?

Am Sonntag ist Wahl. Tust du dich leicht oder schwer mit deiner Entscheidung?

Ich glaube, wir hatten lange nicht eine solche Anspannung vor einer Wahl. Mir scheint es, dass wir alle auf irgendeiner Ebene mitbekommen, dass sich hier tatsächlich wichtige Weichen für die Zukunft stellen werden und dass es richtig auf etwas ankommt. Und gleichzeitig scheint für diese Wichtigkeit keine Partei genügend anzubieten zu haben. Oft höre ich Sätze wie „Ich wähle das kleinste Übel“.

 

Bewusst wählen

Ich möchte hier nicht politisch werden, aber ich möchte dabei helfen, dein Bewusstsein dafür zu verfeinern, WIE du deine Wahl triffst. Kennst du die Kriterien, nach denen du dich entscheidest?

Ich glaube, wir haben immer eine bunte Mischung an Emotionen und Argumenten an Bord, wenn es um so etwas geht wie: Wem traue ich die Führung unseres Landes zu. Es könnte helfen, wenn du dir die verschiedenen Stimmen, die in dir wirken, bewusst machst und schaust, welche Schwerpunkte du setzt. Denn häufig verbirgt sich hinter den vorgetragenen Argumenten, die die eigene Haltung untermauern sollen, viel mehr Emotionalität als angenommen. Es ist gut, wenn wir das in uns klar kriegen.

 

Tradition:
Da gibt es einmal eine traditionelle politische Heimat. Vielleicht gibt es eine emotionale Bindung an eine politische Richtung, weil in der Familie immer schon so gewählt wurde. Oder weil familiär immer schon so gewählt wurde, ist man genau beim anderen Lager.

Sympathie:
Sie spielt immer mit, dagegen kann man sich gar nicht wehren. Wer bekommt die meisten Sympathie-Punkte auf deiner eigenen Skala und warum? Oder wer bekommt Abneigungspunkte, weil er/sie etwas in dir berührt, dich an den gruseligen Onkel oder die flippige Tante erinnert. Vielleicht magst du eine bestimmte Optik lieber oder unterstellst einer bestimmten Optik dazugehörende Eigenschaften. Es lohnt sich zu hinterfragen, warum man jemanden sympathisch findet, obwohl man sie/ihn doch gar nicht kennt.

Der Mensch:
Schaust du dir die Köpfe an, die die Parteien repräsentieren? Kannst du hinter den sorgfältig aufgebauten, polierten Fassaden den Menschen erkennen? Wie viel menschlich-emotionale Beteiligung nimmst du wahr? Oder ist dir das nicht so wichtig? Wer erlaubt sich Brüche in der Fassade, wer kann Fehler zugeben, wer ist menschlich berührbar?

Erwartungen, Wünsche:
Die Erwartungen spielen eine riesengroße Rolle. Ich glaube, ganz weit oben auf der Wunschliste steht in Deutschland der Wunsch nach Stabilität und Sicherheit. Es ist im Grunde die Sehnsucht nach der starken Hand, die uns souverän durch schwierige Zeiten führt. Die Sehnsucht nach dem starken Vater oder der starken Mutter (die von Angela Merkel gut bedient wurde).

Politisches Programm/Werte:
Auch, wenn in Debatten dieser Punkt meist an erster Stelle steht, glaube ich, dass er in Wirklichkeit bei den meisten Menschen am wenigsten ins Gewicht fällt. Was sind die Hauptthemen der Parteien? Stimmen sie mit deinen Prioritäten überein? Keine Partei wird alle Ziele gleichermaßen engagiert verfolgen (können). Stimmt der Schwerpunkt mit dem überein, was du als wichtig empfindest?

Angst:
Wie sehr spricht die Angst bei deiner Entscheidung mit? Ich glaube, wir spüren, dass so viele echt große Herausforderungen vor uns liegen. Es braucht Veränderung an vielen Stellen. Veränderung macht aber immer auch Angst, weil sie den Faktor der Ungewissheit in sich trägt. Und dennoch ist sie dringend nötig. Insofern ist es gut, sich die eigenen Befürchtungen bewusst zu machen und zu verstehen, dass keine Partei der Welt sie dir nehmen kann.

 

Wenn du magst, geh doch mal die einzelnen Punkte durch und schau, ob du dein Kreuz jedes Mal an der gleichen Stelle setzen würdest oder ob du nicht – je nach Thema – eine andere Wahl treffen würdest.

 

Mein Fazit

Ich glaube, dass es gut ist, sich selbst genau zu hinterfragen, welcher Anteil innerlich für welche Wahlentscheidung plädiert. Für mich stehen in der Wahrnehmung zwei Punkte gegenüber:

Angst versus Veränderungsbereitschaft

Die Angst vor all den unbekannten Veränderungen suggeriert uns vielleicht, dass der alte Weg der bewährte, sichere Weg ist. Doch glaube ich, dass genau dies die Gefahr ist. Wenn wir aus Angst an alten Methoden und Wegen festhalten, fahren wir beim Thema Klima schon mal auf jeden Fall mit 180 vor die Wand.

Es braucht echte Neuerung! Nicht bloß ein bisschen Kosmetik, sondern mutige Schritte. Insofern müssen wir die Angst/Ungewissheit ein Stückweit aushalten, wenn wir nicht dem Irrtum erliegen wollen, an der politischen Spitze könne jemand stehen, der/die alles im Griff hat. Der Wunsch ist zwar verständlich, doch kann er nicht wirklich erfüllt werden. Diese Erwartung, dass uns ein Mensch diese Sicherheit geben könne, ist ein Trugschluss. Besser, wir lernen, mit der Unsicherheit zu leben.

 

Seinen Frieden machen

Egal, welche Regierung wir bekommen: Sie wird Fehler machen. Das, was an Aufgaben zu bewältigen ist, lässt sich nicht leicht und geradlinig abarbeiten. Es sind Herkulesaufgaben und es wird vermutlich ein holpriger Weg. Die Frage, die ich mir stelle ist, welcher Partei ich zutraue, dass sie sich überhaupt richtig auf den Weg macht (obwohl er holprig und unübersichtlich ist).

Und wir als Gesellschaft dürfen wieder anerkennen lernen, dass Menschen bereit sind, diesen Job zu tun, sich ins öffentliche Licht zu stellen und beim kleinsten Fehler mit Dreck bewerfen zu lassen. Auch hier brauchen wir Erneuerung. Wertschätzung und Fehlerkultur dürfen wieder Einzug halten in unseren Umgang mit unseren Politikern. Wir als Gesellschaft dürfen hier einmal unseren Umgang mit Politikern hinterfragen.

Denn wir als Gesellschaft haben die Regierung, die wir verdienen.

Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

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