Du bist mehr als das, was funktioniert

Junge Frau mit Glühbirne und Muskelarmen hinter sich

Du bist mehr als das, was funktioniert

Wenn man zu einer Minderheit gehört, wie es bei hochsensiblen und hochbegabten Menschen der Fall ist, erlernt man bestimmte Methoden, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, um anerkannt und gemocht zu werden. Man legt sich ein „Funktions-Ich“ zu. Das ist eine Persönlichkeit, die im Alltag, Beruf, in der Familie ganz gut zurecht kommt, die irgendwie funktioniert. Diese erlernte Persönlichkeit muss unserem wahren Wesen nicht unbedingt entsprechen. Gerade bei komplexen Persönlichkeiten wie hochsensiblen/hochbegabten Menschen, ist dieses alltagstaugliche Ich immer nur ein kleiner Ausschnitt der wirklichen Persönlichkeit oder aber er spiegelt einfach das wieder, was von einem Menschen erwartet wird. Gut wenn wir das erkennen. Viel häufiger aber ist, dass wir uns damit identifizieren. Dass wir denken, wir seien tatsächlich so.

Gerade bei komplexen Persönlichkeiten wie hochsensiblen/hochbegabten Menschen, ist dieses alltagstaugliche Ich aber immer nur ein kleiner Ausschnitt der wirklichen Persönlichkeit. Gut wenn wir das erkennen. Viel häufiger aber ist, dass wir uns damit identifizieren. Dass wir denken, wir seien tatsächlich so.

Dazu habe ich gestern eine interessante Beobachtung gemacht. Ich war zur Tanzaufführung einer Freundin eingeladen. Während ich mir die verschiedenen Darbietungen ansah, überlegte ich, was der Grund für mein Unwohlsein bei solchen Veranstaltungen sein könnte. Es folgte eine ganze Gedankenkette: „Du interessierst dich nicht für Laienaufführungen“ – „du hast keinen Sinn für Kulturelles“ – „du verstehst nicht, was es ausdrücken soll“ – „es berührt dein Gefühl nicht und interessiert dich deshalb nicht“.

Bei all diesen Gedanken merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Schließlich dämmerte mir, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Darbietungen berühren mich einfach zu stark. Und zwar vor allem das, was nicht gezeigt werden soll: Die Auseinandersetzung des Auftretenden mit der Situation, mit dem Publikum, die Nervosität, das innere Zusammenzucken, wenn etwas nicht so gut läuft, Unsicherheiten – die ganze Palette. Und das beschäftigt mich so, dass ich für die Präsentation selber gar nicht mehr so viel Aufmerksamkeit übrig habe. Um das auszuhalten, muss ich etwas „dicht“ machen, weniger an mich heranlassen. Das ist mein Funktions-Ich. Es hilft mir dabei, in der Situation so zu reagieren, wie es üblich ist.

Aber wie wichtig ist es, dabei nicht zu bleiben! Denn die Attribute, die ich mir selber zugeschrieben habe, waren durchweg negativ und erzeugten deshalb eine Abwertung. Wenn diese negative Sicht plötzlich aufgelöst werden kann, hat sich wieder ein Stück der wahren Persönlichkeit ans Licht gekämpft und darf strahlen.

Ich wünsche euch in diesem Sinne erhellende Momente im Vorweihnachtstrubel.

Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

2 Kommentare
  • Susanne
    Antworten

    Mein Funktions–Ich ist so stark ausgeprägt, das ich nicht mehr in der Lage bin in Kontakt mit anderen zu fühlen, mich zu fühlen. Das wiederum lässt mich so funktionieren, sprich arbeiten und mich für alles verantwortlich fühlen, das ich völlig überreizt bin, nicht mehr sortieren kann, wählen kan, anhalten kann und somit dem Nervenzusammenbruch nahe. Eher schon drüber, aber irgendetwas funktiniere ich weiter… weiter und weiter… unter Tränen weiter… kurzes alleinsein…weiter…in Kontakt sein, aushalten, Tränen…. weiter…
    Ich stoße nach vielen Jahren der Suche auf HSP und bin irgendwie hilflos.

    28. Dezember 2017 at 17:26

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