Die Würde des Menschen ist unantastbar

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Das Grundgesetz beginnt mit diesen Worten:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Dieser Satz steht an oberster Stelle! Weil die Menschen, die das Grundgesetz geschrieben haben, ihn als wahr und wichtig erkannt haben. Nach einer Zeit maximaler Entwürdigung fanden sie ihn so wichtig, dass sie ihn an die erste Stelle setzten.

Momentan begegnen mir überall Verhältnisse, in denen Menschen ihrer Würde beraubt werden:

  • Alte Menschen, die mit ihrer kleinen Rente nicht das Nötigste an Nahrung kaufen können, von sozialer Teilhabe ganz zu schweigen.
  • Menschen mit chronischen Krankheiten, denen unterstützende Leistungen verwehrt werden.
  • Menschen, die mit abweichenden Nervensystemen ausgestattet sind und die es nicht schaffen, sich in das Leistungsgefüge unserer Arbeitswelt einzufügen.
  • Kinder, die am Schulsystem scheitern und deren Lernfreude komplett verloren geht und die dafür benotet werden.
  • Und natürlich die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um einfach nur ihr Leben zu retten und die hier Beschämung und Ausgrenzung erfahren.

Und viele weitere!

Im Grundgesetz steht nicht, dass nur diejenigen ein Recht auf Würde haben, die den Bundeshaushalt optimal unterstützen oder die in eine reiche Familie geboren wurden. Da steht auch nicht, dass man für Würde in einer bestimmten Region der Welt geboren, eine bestimmte Hautfarbe, Figur oder Intelligenz haben muss. Man muss für Würde auch nicht gesund sein oder ein bestimmtes Alter haben.

Die WÜRDE des Menschen ist UNANTASTBAR. Damit ist die Würde eines jeden Menschen gemeint.

Wir dürfen uns alle die Frage stellen, wo wir das würdelose Spiel in unserer Gesellschaft mitspielen oder dulden.

Vorgestern hatten wir Aufstellungstag. Wir haben Einblick in Familienhintergründe bekommen, in emotionale Verstrickungen, deren Auswirkung bis in die Gegenwart reicht, zu den Menschen, die mit ihrem Thema zu mir kamen. Ich kann euch sagen: NIEMAND sucht sich sein Schicksal einfach so aus. Es gibt immer eine Geschichte, die zu dem Schicksal geführt hat. Zu der Blockade. Zu der Angst. Zu der Abhängigkeit. Zur psychischen Krankheit, Überforderung oder dem Zusammenbruch.

Würde ist die liebevolle Antwort auf das Anerkennen des individuellen Schicksals. Und die sollte nicht verhandelbar sein. Nicht, weil es im Grundgesetz an erster Stelle steht, sondern weil wir Menschen sind.

Aktuell wird politisch die Würde verhandelt.

Das ist richtig schlimm. Es ist sicher nicht neu, würdeloses Verhalten hat es schon immer gegeben. Ich habe aber die Hoffnung, dass immer mehr Menschen begreifen, dass diese Ausrichtung ein Irrweg ist und beginnen, Würde als schützenswerten Wert wieder ernst zu nehmen.

Wer möchte in einer unwürdigen Gesellschaft leben?

Das können nur die wollen, die gerade oben schwimmen und denken, sie hätten ein Abo darauf. Spoiler: Das ist nicht so. JEDE und JEDER kann einen Crash erleben, einen Schicksalsschlag, eine Krankheit oder einen Verlust, der so schwer wiegt, dass es ihm den Boden unter den Füßen wegzieht.

Würde, Empathie, Liebe – was bedeuten dir diese Werte?

Würde steht in unmittelbarer Verbindung mit Empathie. Früher hieß das „Nächstenliebe“. Ein etwas aus der Mode gekommenes Wort auf dem auch eine Portion kirchlicher Staub liegt.

Aber was ist das denn? Das Anerkennen, dass jeder Mensch sein Schicksal hat (das wir meistens nicht kennen und somit gar nicht einschätzen können). Und eine gewisse Demut zu wissen, dass es uns nicht zusteht, darüber zu urteilen.

Ich möchte der Würde hier eine Stimme geben. Wir brauchen sie. Sie macht unser Miteinander lebenswert.

Und sie steht im Grundgesetz!!

Nehmen wir sie doch bitte wieder ernst.

Was denkst du dazu?

 

 

Bild: KI

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