Das Spiel der Kräfte in dir – welche Stimme hat das Sagen?

Schwarze und rote Plastikente schauen in verschiedene Richtungen

Das Spiel der Kräfte in dir – welche Stimme hat das Sagen?

Wir verlassen gerade die Zeit der Rauhnächte. Und man sagt, dass hier starke Kräfte wirken. In diesem Jahr spüre ich das in besonderem Maße, nämlich in der Form, dass sich bei vielen Menschen Krisen bemerkbar machen. Wir stecken fest, sehen kein Licht, alles scheint düster und ausweglos. Oft geraten wir in Grübelschleifen, können nicht mehr schlafen und sind vielleicht auch in unseren Handlungen blockiert.

In diesem Artikel möchte ich mich damit beschäftigen, welche Kräfte in einer Krise an uns zerren und wie wir es schaffen, unsere Entscheidungskraft wieder zurückzuerobern.

Ich bin zutiefst von der Sinnhaftigkeit von Krisen überzeugt. Um es mit Hesse zu sagen: „Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.“ Das Leben beschert uns die ungemütlichen Umstände nicht, um es uns möglichst schwer zu machen und uns den Spaß am Leben zu verderben, sondern um uns zu innerem Wachstum anzuregen. Eine Krise ist vergleichbar mit einem Geburtsprozess. Es ist dunkel und ungemütlich eng, so eng, dass wir uns nicht richtig bewegen können. Manchmal geht es nicht vorwärts und nicht zurück, wir stecken fest. Und wir wissen nicht, ob sich dieses Gefühl jemals wieder ändern wird und wir am Ende der Dunkelheit Licht sehen werden.

Nimmst du die Herausforderung an oder lehnst du sie ab?

Ein häufiger Reflex in einer solchen Situation ist Ablehnung: „Ich will das nicht.“ Menschen, die eine Krise nicht als Reifungsprozess oder Lernaufgabe annehmen, neigen dazu, sich so zu verhalten, dass die Situation, in der sie vor der Krise waren, wiederhergestellt und der nächste Entwicklungsschritt vermieden wird.
Ein Beispiel: Eine Teilnehmerin aus unserem Seminar: „Ich bin richtig!“  hatte plötzlich in der Hälfte der Seminarreihe große Zweifel, ob ihr das Seminar etwas bringt. Sie sah, wie bei anderen Teilnehmern alte Themen sichtbar und Emotionen frei wurden und zu einem versöhnlichen Ende gebracht werden konnten. Ihre eigenen Erfolge empfand sie als weniger wertvoll. Sie überlegte, ob sie nicht das Seminar nach der Hälfte abbrechen solle, weil es ihr nichts brächte.

Wenn man überlegt, dass ein Mensch mit Themen zu uns kommt, die ihn bereits sein Leben lang einschränken und er sich genau 2 Wochenenden dafür gibt, diese Themen zu lösen und dann – wenn er dieses selbstgesteckte Ziel nicht erreicht – überlegt, ein Seminar, das bereits gebucht und bezahlt ist, vorzeitig abzubrechen, wird deutlich, dass ihm hier seine Psyche gerade einen Streich spielen will. Von außen besehen ist genau dies das beste Anzeichen dafür, dass Entwicklung begonnen hat und Veränderung in der Luft liegt.

Weißt du, wann Zweifel meistens anspringen? Wenn etwas auf dich zukommt, das dein gewohntes, vertrautes System bedroht. Wenn du beginnst, deine Gewohnheitszone zu verlassen.

Denn es gibt einen Anteil in dir, der an Veränderung nicht interessiert ist.

Ich will mal beschreiben, was da passiert: Jeder Mensch steht im Spannungsfeld zweier Kräfte:
Die eine Kraft ist die der Selbstentfaltung. Sie strebt nach Entwicklung, Heilung, Glück, danach, das volle in dir angelegte Potenzial ins Leben zu holen. Diese Kraft bringt dich dazu, erste Schritte zu tun, ein Seminar zu buchen, neue Erfahrungen zu suchen und vielleicht eine Vision von einer glücklicheren Zukunft zu entwerfen.

Die andere Kraft ist eine Festhaltekraft. Sie möchte dein Überleben sichern. Ihre Logik ist ungefähr diese: Da du es bis hierher lebend geschafft hast, hat sie ihren Job sehr gut gemacht. Sie hat dafür gesorgt, dass du an frühen emotionalen Verletzungen nicht gestorben bist, sondern sie im Unterbewussten abgelegt und dich so funktionsfähig gehalten hast. Sie sagt sich: „Bloß nichts ändern – Mensch lebt – alles paletti – Job erfüllt. Also weiter so.“ Glück ist für diese Kraft kein Kriterium. Überleben zählt. Diese Kraft mahnt zur Vorsicht und warnt vor jeder Veränderung, die die alten Schmerzpunkte berühren könnte.

Wenn dich jetzt aus dem Wunsch nach mehr Zufriedenheit, Erfüllung und Glück die Entfaltungskraft dazu bringt, dich mit innerem Wachstum zu beschäftigen, gefällt das der Sicherheitskraft in dir überhaupt nicht. Spätestens, wenn echte Veränderungsimpulse anklopfen, wird sie wach und signalisiert dir: Aufhören, gefährlich, bringt nichts, nicht dein Ding, vorher war besser usw. Sie erzeugt Zweifel, Ablehnung, mahnende Stimmen oder Müdigkeit.

Glaub nicht alles, was du denkst.

Wer dieser Sicherheitsstimme unreflektiert glaubt, wird immer dann, wenn der Weg ungemütlich und emotional fordernd wird, umkehren und den Zustand vor der Krise wiederherstellen. Er wird vielleicht in einer Beziehung bleiben, die gewohnt und sicher, aber wenig erfüllend ist oder wird den Job, der zwar nervtötend und langweilig, aber vertraut ist, dem neuen, noch unbekannten Weg vorziehen. Die Sicherheitsstimme droht mit Schreckensszenarien: „Bestimmt wird es hinterher noch schlimmer!“

Wenn wir diesen Trick der Psyche nicht begreifen, halten wir die Stimme, die zur Sicherheit mahnt, für die Wahrheit – ja, wir identifizieren uns sogar mit diesem Anteil – und brechen den Impuls zur Veränderung immer wieder ab. In Wirklichkeit BIST du nicht dieser vorsichtige oder übervorsichtige Anteil in dir. Es ist lediglich eine Stimme der Vergangenheit, der man zwar Gehör schenken darf, der man aber nicht bedingungslos folgen sollte. Gerade introvertierte, hochsensible Menschen haben eine recht stark ausgeprägte Festhaltestimme, die in bestimmten Situationen Signale wie Überforderung, Müdigkeit, Bedrohung sendet und zum Rückzug mahnt. Und die Bereitschaft, diesem Anteil in sich sehr große Macht einzuräumen ist hoch. Dieser Anteil benutzt die hohe Sensibilität gerne als Ausrede dafür, bestimmte Dinge nicht tun zu können. Auch das ist ein Trick der Psyche oder des Egos.

In Wirklichkeit hast du die Wahl.

Du kannst dich für Entwicklung und neue Erfahrungen öffnen. Immer. Das ist es, was das Leben von uns möchte. Nur: Du bekommst diese Entwicklung nicht zum Nulltarif. Der Preis, den du zahlst, ist die Konfrontation mit unangenehmen Emotionen. Und davor schrecken viele Menschen erst einmal zurück. Diese Emotionen sind früh entstanden oder auch familiär vererbt worden und waren zu der Zeit, in der sie entstanden sind, äußerst schmerzhaft oder sogar lebensbedrohlich. Insofern hat deine Sicherheitsinstanz damals, in der Zeit, als diese emotionale Prägung entstanden ist, eine richtige und gute Bewertung vorgenommen, wenn sie ein Gefühl als bedrohlich eingestuft hat.

Ein Beispiel: Hier in Deutschland haben sehr viele Frauen unserer Zeit irgendein emotionales Kriegserbe im Gepäck. Viele Mütter und Großmütter haben Gewalt und Missbrauch erlebt und hatten in der Regel keine Chance, diese traumatischen Erlebnisse angemessen zu verarbeiten und zu heilen. Dadurch, dass dieses Trauma nicht abgeschlossen werden konnte, wird die emotionale Belastung unbewusst an nachfolgende Generationen weitergegeben. Bei den Töchtern kann das dazu führen, dass diese sich von starken Männern fernhalten und sich Partner suchen, bei denen sie absolut „sicher“ sind. Die erfüllen aber möglicherweise überhaupt nicht den Wunsch der Frau nach einem kraftvollen Mann, der eine starke Position auf Augenhöhe an ihrer Seite einnimmt.

Die emotionale Botschaft, die bei den Söhnen landet, kann heißen: „Werde bloß nicht zu männlich, das ist gefährlich, dann kann ich dich nicht mehr lieben.“ Mit diesem Erbe werden aus den kleinen Jungs dann liebe, große Jungs, die keinen oder wenig Zugang zu ihrer kraftvollen, männlichen Seite haben.

Wir alle haben solche Prägungen, die, wenn sie emotional nicht geheilt werden, das Leben beeinflussen und verhindern, dass ein Mensch das lebt, wonach er sich im Kern sehnt und was in ihm angelegt ist.

Wie ist es bei dir? Nimmst du diese beiden Kräfte wahr? Und wie sind in der Vergangenheit deine Entscheidung ausgefallen? Wo bist du deinem Entfaltungsdrang gefolgt und wo hast du dich von ihm  abbringen lassen?

Triff eine bewusste Entscheidung und steh dazu

Meine Botschaft ist immer wieder diese: Du hast die Wahl, ob du die Fäden für dein Leben selber in die Hand nimmst und immer mehr Steuerungshoheit über dich gewinnst oder ob du dich von alten Familienthemen und eigenen Schmerzerlebnissen begrenzen lässt.
Es ist deine Entscheidung.

Die Seminarteilnehmerin hat, als sie das Spiel der beiden Kräfte begriff, die Wahl getroffen, sich ihren Themen zu stellen. Dies ist eine gute Voraussetzung dafür, dass sie in ihren Themen weiterkommen wird.

Für manche Menschen ist die Sicherheit der Gewohnheitszone (ich nenne sie extra nicht Komfortzone, weil sie häufig nicht sehr komfortabel ist), wichtiger als das Glück der Selbstentfaltung. Wenn das so ist, steh zu deiner Entscheidung. Das ist völlig in Ordnung. Aber triff diese Entscheidung bewusst – denn dann ist des DEINE Entscheidung.

Wenn du aber innerlich mit den Hufen scharrst und mehr vom Leben möchtest, wenn du neue, glücklichere Erfahrungen kreieren willst, bleib auf deinem Kurs und lass dich nicht durch die Tricks deiner Psyche ausbremsen. Gerade auch als introvertiere Hochsensible kann ich inzwischen sagen, dass selbst die scheinbar naturgegebenen Eigenschaften der Hochsensibilität nicht in Stein gemeißelt sind.

„Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“ (H. Hesse)

 

 

Wer an echter, nachhaltiger Veränderung interessiert ist, für den sind wir mit all unseren Angeboten gerne da. Unsere Stärken sind Klarheit, Feinsinnigkeit, offene Herzen und die nicht endende Bereitschaft zur Wahrheitssuche.

Das Herzstück unserer gemeinsamen Arbeit ist unser Seminar: Ich bin richtig!

Es gibt jetzt auch einen Film zum Seminar: Film „Ich bin richtig!“

 

Hier eine der berührenden Rückmeldungen, die wir nach dem ersten Wochenende erhalten haben:
„Ich möchte mich noch einmal für dieses Wochenende bedanken, das für mich nicht schöner, beeindruckender und liebevoller hätte sein können. Mein Dank lässt sich mit Worten nicht ausdrücken. Ihr beide seid so großartige, wundervolle Menschen, die es verstehen, einfühlsam und liebevoll zu sein und gleichzeitig auch Grenzen setzen zu können. Das vermittelt unglaublichen Halt und Sicherheit. Ich habe mich in einer Gruppe von Menschen noch nie so wohl gefühlt. Euch ist es zu verdanken, dass so viele wunderbare Menschen an einem Ort zusammen kommen dürfen und miteinander arbeiten können. Ganz, ganz, herzlichen Dank.“

 

 

Barbara Grebe
Barbara Grebe

Barbara Grebe ist Coach für hochbegabte und hochsensible Menschen in Köln.

2 Kommentare
  • Avatar
    Christiane Reinecke
    Antworten

    Hallo Barbara, seit Kurzem bin ich Mitglied eurer Gruppe ich bin richtig. Deine Artikel lese ich mit großer Aufmerksamkeit, ich finde mich darin wieder und ich empfinde es für mich als Erlösung zu verstehen und zu begreifen und zu lernen. Schon als Kind spürte ich, das ich anders bin, lange dachte ich, das ich falsch bin. Meine Eltern, beide mittlerweile schon tot, konnten nicht mit mir umgehen. Es ist so schön und tut so gut, nicht alleine zu sein, und verstanden zu werden. Deine Artikel sind sehr wertvoll für mich. Ich bin Krankenschwester in einer Notaufnahme, letztes Jahr habe ich ein berufsbegleitendes Studium gemacht, habe dafür meinen Arbeitsplatz gewechselt und jetzt stehe ich vor der Entscheidung, mich auf die stellvertretende Abteilungsleitung zu bewerben. Da gibt es ein Teil in mir, der Angst hat vor Veränderungen und Herausforderungen, aber Stück für Stück gehe ich meinen Weg mit Mut und langsam auch mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Ich muss auch ein gutes Vorbild für meine Töchter sein, die ich alleine ohne Vater oder Mann durchs Leben begleite. Viele Worte… hoffe das war nicht zuviel… danke an dich und liebe Grüße von Christiane

    7. Januar 2019 at 22:34

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